Review zur VITAL-Studie: 1g Omega 3 wirklich nutzlos?

Eine neue Studie zum Thema Omega-3 geht gerade durch die Medien. Hier liest man oft, die Ergebnisse zeigen keinen Effekt für Omega-3 in Bezug auf unsere Gesundheit. Ist das korrekt? Nein, nicht so ganz.

Was wurde gemacht?

Teilnehmer erhielten in dieser großen Studie (4 Gruppen) über Jahre rund 1 g (eigentlich nur 840 mg nur) Omega-3 oder eine bestimmte Menge Vitamin-D. Ebenso gab es Daten aus der Placebo-Gruppe. Uns interessiert heute nur das Thema Omega-3. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sich Omega-3 und Vitamin-D auf das Risiko von Krebs und Herzerkrankungen auswirken.

Für den Punkt Primärprävention (erste kardiovaskuläre Events verhindern) glänzte Omega-3 nicht auf den ersten Blick, dennoch zeige sich ein geringeres Risiko (-28%) für einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt), was man nun nicht als nutzlos bezeichnen würde.

Zitat zum Ergebnis aus der Studie:

,,…1 g per day did not lead to a significantly lower incidence of the primary end points of major cardiovascular events (a composite  of myocardial infarction, stroke, and death from cardiovascular causes) …‘‘

Studien, wie die VITA-Studie, nutzen einen primären Endpunkt, also ein Ziel, an dem wir einen Effekt oder eben keinen Effekt festmachen können. Diese Endpunkte werden vorher festgelegt, z.B.  kardiovaskuläre Ereignisse (Schlaganfall & Herzinfarkt z.B.) und das Auftreten von invasivem Krebs hier.

Zitat zu primären Endpunkten (kardiovaskuläre Ereignisse) aus der Studie:

,,The primary end points were major cardiovascular events (composite of myocardial infarction, stroke, and death from cardiovascular causes) and invasive cancer of any type.’’

Die Wirkung für diesen Endpunkt (kardiovaskuläre Ereignisse) war statistisch nicht signifikant (siehe ,,Table 2’’ in der Studie), der Unterschied war nicht groß genug für Klarheit. Dennoch, mit Blick auf Einzelpunkte zeigt sich ein interessanter Effekt auf Herzattacken. Das Risiko sank um 28%, 145 vs. 200 Ereignisse und weniger tödliche Herzattacken, nämlich 13 vs. 25.  Oder wie Bill Harris es ausdrückte, ein Co-Entwickler des Omega-3-Indexes:

Wirfst du die drei Bestandteile für den primären Endpunkt in einen Topf, sieht man keinen Vorteil aber blickt man auf die drei Zutaten, dann zeigte der Punkt Herzinfarkt doch einen Effekt. Und das bei nur nahezu 1 g Omega-3, was noch wenig ist.

Wer wenig Fisch aufnahm, profitierte besonders. Der Omega-3-Index sagt uns, wie es um unsere Omega-3-Aufnahme steht. Ist dieser Wert optimal, können wir davon ausgehen, dass Gewebe, darunter auch das Herz, mit Omega-3 versorgt ist und wir reden hier nicht von der pflanzlichen Version.

Folgende Limitationen kann man anbringen:

-Feste Dosierung für alle Teilnehmer

-Möglicherweise eine zu geringe Dosierung für einen optimalen Omega-3-Index

-HS-Omega-3-Index nicht wirklich genutzt wahrscheinlich und der angegebene Plasma-Index für Omega-3 lag bei einer Messung bei 4.1%, wobei 8% mindestens angesetzt werden sollten für positive Effekte, wenn wir vom richtigen Index ausgehen

In unserem DKKA-Artikel (Zwischen “Hara Hachi Bu” und Gemüse: Für ein längeres und gesünderes Leben) sind wir schon auf den Omega-3-Index eingegangen und was wir in Studien rund um Omega-3 beachten sollten.

Es zeigte sich also doch ein Vorteil bei dieser geringen Dosierung. Von einer Enttäuschung kann man hier nicht reden und interessant wären die Effekte, wenn wir Studien mit Blick auf den HS-Omega-3-Index umsetzen.

Bill Harris, der lange rund um das Thema Omega-3 forscht, ist auf eine Frage von uns zum Thema Index eingegangen. Die Frage war, ob die Forscher überhaupt den HS-Omega-3-Index gemessen haben, da in der Studie nur der Plasma-Index erwähnt wird, welcher nicht unbedingt optimal wäre (siehe Arbeiten von Dr. C. von Schacky dazu bzw. Harris & Thomas 2010).  Man muss sich auch fragen, ob dieser Index nicht auch zu gering war mit unter 8% zum Zeitpunkt der Messung. Ja, es könnte gut sein, dass optimale Index-Level nie erreicht wurden und die Teilnehmer bei 6% lagen am Ende. Genau wissen wir es aber nicht.

Die Antwort dazu: ,,…the problem with the analysis used in VITAL (Quest) is that it bears no resemblance to the RBC-based omega-3 index. What a 4.1% value on their test means is unknown. We will be endeavoring to do some cross method comparisons to bring some sense to this number. Absent that, we do know that people who report eating 1.5 svgs a week of “oily” fish have an O3I of about 4%, and from the GISSI Heart Failure study analysis, we know that the O3I goes up about 1.9% units with 1 g of Omacor. So I’m guessing that the final O3I in VITAL was around 6% – obviously still well below the 8% target. But even still, VITAL returned positive findings for even this relatively small change.‘‘

 

Quellen:

Marine n−3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer

https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1811403

A Comprehensive Review of Chemistry, Sources and Bioavailability of Omega-3 Fatty Acids.

https://www.mdpi.com/2072-6643/10/11/1662

https://www.dkka.de/blog/gesundheit/#

Austausch mit OmegaQuant

Trage dich jetzt in den DKKA-Newsletter ein, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben!

Wissenschaft

Praxis

Anwendung